Montag, 25. August 2014

Ein tiefer Atemzug

Nur 41 Tage nach der Fußballweltmeisterschaft schaffte es am letzten Wochenende ein Event wieder unzählige Menschen vor die Bildschirme in aller Welt zu fesseln. 
Doch was konnte so spannend sein, dass Millionen von Menschen an einem Samstagabend gebannt vor dem Fernseher saßen, an den Bildschirmen ihres Computer klebten oder sich sogar im Kino versammelten? 
Lag es etwa an der Eröffnung der Bundesliga oder an den Cyclassics, dass sich unzählige Leute in merkwürdigen Verkleidungen auf die Straßen Deutschland wagten? 
Doch sahen diese, obwohl sie merkwürdige Melodien anstimmten, wahrlich weder nach Radsport- noch nach Fußballfans aus und was sollten diese komischen Fremdwörter, die sie in jeder Unterhaltung einmischten? 

Alle, die etwas Ahnung von Science Fiction und den laufenden Kinoevents haben, dürfte nun sehr schnell klar geworden sein, über welches Event sich dieser Artikel dreht.
Alle, die noch immer nicht wissen, wovon ich spreche, denen werde ich nun gerne auf die Sprünge helfen.

Aber erst einmal sollten alle noch einmal tief durchatmen!

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Nur knapp 9 Monaten nach dem 50-jährigen Geburtstag und dem damit einhergehenden Special The Day of the Doctor hat es der Doctor doch tatsächlich wieder geschafft, seine Fans vor den großen Leinwänden von rund 1500 Kinos und vor den Fernseh- sowie Computerbildschirmen in aller Welt zu versammeln. Gebannt saßen die Whovians am Samstagabend davor und warteten auf die erste Folge der achten Staffel und damit auf den lang ersehnten Auftritt Capaldis als neuen Doctor. (Die Zählung spar ich mir, man kann sie ja doch nur noch falsch machen) Die BBC gab bekannt, dass die Einschaltquoten allein mit der Fernsehübertragung bei 7,3 millionen Zuschauer lagen, was einen Anteil von 32,5% ergibt. Auch in Deutschland konnte man das Abenteuer des neuen Doctors auf Fox verfolgen. Durch einige Probleme mit geleakten Folgen, jedoch nicht, wie versprochen mit deutscher Synchronisation, sondern nur im Original zeigen. Jedoch soll eine Version mit deutschen Untertitel vor der Ausstrahlung der nächsten Episode folgen.

Wenn man jedoch mutig genug war, sich um 20 Uhr vor den Kinos unter die dort vorherrschenden Whovians zu mischen, kam man in das Vergnügen nicht nur einige Gleichgesinnte zu treffen, sondern eine Unmenge an Bowties, Fezzes, Schals und Glasses zu entdecken.

 

Um Capaldis ersten Auftritt gebührend zu feiern, haben sich die Kinogänger richtig in Schale geworfen. Auch der Hamburger Doctor Who Fanclub war natürlich zugegen.
Allein vor dem Cinemaxx Dammtor in Hamburg konnte man fast alle Companions des Doctors, sowie einige Doctoren entdecken und wir wissen ja alle, dort wo der Doctor ist, kann die Tardis nicht weit sein. Dabei war ein Kostüm schöner, detailgetreuer und kreativer als das andere.


Doch hatte sich der ganze Aufwand denn auch gelohnt? Hat sich das ganze gespannte Warten auch ausgezahlt oder hat die Episode oder Capaldi am Ende doch enttäuscht?
Nun, es lässt sich sagen, dass alleine für das Intro, welches nur die Kinobesucher bewundern durften und Strax zeigte, der die einzelnen Doctoren erklärte, hatte sich der Gang ins Kino bereits gelohnt. Denn alleine die Ohren- und Kinnwitze hat den gesamten Saal einige Male herzhaft auflachen lassen. Auch das Making of, mit welchem man zum Anschluss der Folge belohnt wurde, war ein schöner und spannender Blick hinter die Kulissen.

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Achtung Spoiler!!

Die 76 Minuten dauernde Episode beginnt mit einem riesigen Dinosaurier, der leider etwas Kantiges verschluckt hatte, das ihm nun wortwörtlich im Halse stecken blieb und ihn (oder sie) im viktorianischen London landen ließ. Obwohl er(oder sie) es schaffte diese Polizeinotrufzelle wieder auszuspucken, sind die Tage des T-Rex damit jedoch gezählt. Während der Doctor und Clara sich mit dessen neuer Inkarnation und den Folgen der Regeneration herumschlagen müssen, geht der Dino plötzlich durch scheinbar spontaner Selbstentzündung in Flammen auf. Natürlich müssen Clara und der Doctor diesem Mysterium nachgehen und landen dabei in einem sehr fragwürdigen Restaurant, deren Speisekarte nichts für schwache Mägen ist. Besonders Clara jedoch hat in dieser Folge wenig zu lachen, da sie sich die ganze Zeit fragen muss, ob der Mann mit diesem fremden und deutlich älteren Gesicht wirklich der ihr bekannte und so geliebte Doctor ist.

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Diese Folge ist und das lässt sich bereits nach den ersten Minuten erkennen, im Gegensatz zu dem 50-jährigen Special nicht für das Kino gemacht. Es fehlt ihr an der Geschwindigkeit und Tiefe, die für einen guten Kinofilm notwendig gewesen wäre. Wie eine typische Doctor Who Episode, entwickelt sich die Thematik eher langsam und hat, selbst in der Mitte der Folge einige sehr ruhige Stellen, die für den faneigenen Aha-Moment und für einige Lacher sorgten (z.B. Strax Untersuchung von Clara), die Handlung jedoch deutlich entschleunigten.
Dennoch ist diese Episode eine der besten Einführungen eines Doctors überhaupt. Dies liegt zum einen an den herausragenden schauspielerischen Leistungen von Capaldi selbst, der es zu Beginn schafft einen irritierten, noch immer an der letzten Inkarnation festhängenden Doctor zu spielen, der langsam einen eigenen Charakter entwickelt. Es lassen sich so gerade in der ersten Szene noch deutlich Mimiken und Gestiken des elften Doctors erkennen. (Sehr starkes Armewedeln beim Sprechen) Doch nach einem ausgedehnten Schlaf und einer kalten Dusche in der Themse, wird er mehr und mehr zu dem gänzlich neuen Doctor. Dabei beweist er sehr viel Humor (,,Sometimes I miss Amy"), aber auch eine äußerst dunkle Seite. Besonders das Spiel mit der Frage, welche bösen Züge dieser Doctor nun angenommen hat, ist sehr spannend und gut dargestellt. So wurde die Frage, wie der Doctor an den Mantel gekommen ist, genauso wenig zufriedenstellend beantwortet, wie die, ob der Uhrwerkmann von ihm geschubst wurde oder doch selbst gesprungen ist. (Man beachte seine Blickrichtung)
Auch Jenna Coleman als Clara hat mir sehr gut gefallen. Sie ist der erste Companion seit Rose, die eine Regeneration direkt mitbekommt und auch sie hat starke Probleme mit dieser neuen Form des Doctors. So fragt auch sie, wie Rose damals, ob der Doctor sich denn wieder zurückentwickeln könne. Während Rose damals jedoch von ihrer Mutter und dann vom neuen Doctor selbst davon überzeugt wurde, dass er noch immer der gleiche war, braucht Clara da etwas mehr Unterstützung.
Spätestens bei dem letzten Telefonat hat es aber nicht nur Clara, sondern allen Zuschauern die Tränen in die Augen getrieben und so galt die letzte Bitte des elften Doctor:

 Clara, please, hey, for me. Help him. Go on. And don't be afraid.

 und die erste des neuen:

                                                             You can't see me, can you? 
You look at me and you can't see me. Do you have any idea what that's like? I'm not on the phone. I'm right here. Standing in front of you. Please. Just... Just see me.

  nicht nur Clara, sondern vor allem den Fans!

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Mir hat Claras Reaktionen während dieser Folge wirklich sehr gut gefallen und auch wenn ich Clara in der siebten Staffel nicht mochte, hat sie mich in dieser Episode endgültig von sich überzeugt. Als sie den Atem anhalten musste und der ganze Saal es ihr automatisch gleich tat, hat Jenna gezeigt, was für eine großartige Schauspielerin sie ist. Bereits in der Restaurantszene konnte man das Potenzial zwischen dem Doctor und Clara erkennen, aber besonders zum Ende hin hat mir die Atmosphäre zwischen den beiden wirklich überzeugt und begeistert.

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Wie immer eine Highlight waren die Paternoster Gang. Die Beziehung von Madame Vastra und Jenny wurde in dieser Episode konkretisiert und mit dem Kuss auf ein neues Level gehoben, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Wenn die beiden auftauchen, darf Strax natürlich nicht fehlen, der es wie immer geschafft hat, einige Lacher in dieser sonst sehr dunklen Folge hervorzubringen. Ich persönliche kann von Strax Ignoranz und seine Verdrehtheit einfach nicht genug bekommen.


Die Episode selbst ist, wie Moffat versprochen hatte, sehr viel dunkler und grausamer als die Staffeln davor. So findet man hier einen in Flammen stehenden Dino, einen Ballon aus menschlicher Haut und einen aufgespießten Androiden. Auch der Innenraum der Tardis ist deutlich düsterer als zuvor, jedoch gefällt mir das neue Design aus modernwirkenden Roundthings und den alten Bücherregalen sehr gut.
So lässt kann man nur gespannt warten, wie sich dies in den nächsten Episoden entwickeln wird. Mir persönlich hat die Folge sehr gut gefallen und, so sehr ich von Capaldi schon vorher begeistert war, für mich wirklich von Anfang an die beste Wahl, so sehr hat er mich auch im Nachhinein überzeugt. Zum Schluss möchte ich noch auf das neue Intro eingehen, dass ich grandios finde. Dieses Steampunk anmutende Intro, mit den Zahnrädern, sowie das sich drehende Ziffernblatt unterlegt mit den psychedelisch anmutenden Klängen jagen einem sogleich Gänsehaut über die Arme.
Ein wirklich gelungenes Intro, welches gut zu dem neuen düsteren Touch passt. 

Zum Ende dieses Artikels und zur Feier der ersten Episode möchte ich ein kleinen Gewinnspiel starten. Um daran teilzunehmen müsst ihr in der nächsten Woche, also bis nächsten Montag, nur unter diesen Artikel ein Kommentar setzen und erklären, wie ihr die Folge fandet. 
Was mochtet ihr gerne oder was fandet ihr furchtbar? Wie findet ihr Capaldis Doctor ? Denkt ihr, der Uhrwerkmann ist gesprungen oder wurde er doch von dem Doctor geschubst? Was haltet ihr von Missy und war das wirklich das Paradies?

Unter allen, die mir ihre Gedanken zu Deep Breath hier hinterlassen, verlose ich ein Exemplar von Engines of War, das Buch, welches sich mit dem Time War und dem War Doctor auseinander setzt. Für mich eines der besten Doctor Who Bücher! 

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Der Rezension des Buches folgt außerdem im Laufe dieser Woche.


Liebe Grüße

Eure Juju

 Und hier noch einmal, wie versprochen, dass komplette Angels take Manhattan Outfit :) 

Copyright © Julia

Kommentare:

  1. Danke für deinen tollen Bericht und dein Cosplay ist toll ♥
    Mein Mann und ich haben die Folge auch im Kino gesehen und waren begeistert. Ich war zuerst skeptisch, (wie bei jedem neuen Doctor ;-) ), aber der schottische rauhbeinige düstere Doctor hat mir sehr gut gefallen.
    Achtung Spoiler:
    Spätestens als Clara die Hand ausstreckte und auf des Doctors Rettung wartete hatte er mich. Er ist immer noch der alte zuverlässige "wie hat er das gemacht"-Doctor. Und das Telefonat am Ende... hach ja, da hatte ich Tränchen im Auge muss ich zugeben :)

    Hm, gestoßen oder gesprungen... beides ist für mich möglich. Das müsste ich nochmal sehen, ich habe nicht bis ins Detail verstanden was gesagt wurde. Und Molly... ist sie die reinkarnierte Tardis? Ein neuer Gegenspieler? Ich bezweifle irgendwie, dass sie wirklich im Himmel sind, so ganz denke ich nicht, dass der Clockworth-Roboter schon aus dem Spiel ist ;-)

    Ich bin jedenfalls gespannt wie es weiter geht *hibbel*

    LG Joya

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  2. So, dem Gewinnspiel folgenden schreib ich doch auch mal meine Meinung zu Deep Breath. Damit das nicht in das mittlerweile 4. Review zur Folge ausartet, kurz und knapp: Ich war SEHR zufrieden damit. Neuer Doctor ist klasse, die neue Richtung der Serie sehr angenehme, das neue intro Ok, ebenso das neue Titelthema :)

    Raphael

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  3. Von mir auch noch Lob für dein tolles Cosplay, sogar mit Buch! Wirklich gut gelungen :)

    Ich bin persönlich im Großen und Ganzen auch total begeistert von Deep Breath.
    Mit der neuen Anfangsmelodie konnte ich mich noch nicht so richtig anfreunden, aber die Visualisierung dafür war super!
    An Capaldis Doctor hatte ich relativ hohe Erwartungen, aber er hat sie sehr gut erfüllt. Man hat durchaus noch Elemente von Matt Smiths Doctor gesehen, besondern am Anfang, aber gegen Ende ist durchaus auch schon viel vom neuen, "düstereren" Doctor durchgesickert. Ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickeln wird.
    Mein persönliches Highlight war der Anruf von Trenzalore. The Time of the Doctor war meiner Meinung nach nicht der Abschied, den Matt Smith verdient hatte, aber mit dieser einen Szene hat Steven Moffat für mich den Abschied doch noch gerettet. Gute Arbeit!
    Auch die "Nebencharaktere" Madame Vastra, Jenny (die mir in dieser Episode ganz besonders gut gefallen hat!) und Strax haben einen guten Teil dazu beigetragen, dass die Folge so gut geworden ist. Strax' Sprüche waren unschlagbar. :D
    Alles in allem bin ich - wie gesagt - einfach nur begeistert. Ich freue mich auf alles, was in dieser Staffel noch passieren wird und glaube, dass mit Peter Capaldi ein verdammt guter neuer Doctor gefunden wurde!

    LG Caro

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  4. Stuff I liked:
    -Paternoster Gang: Wann bekommt diese wandelnde Balance aus Dramatik und Comedy endlich ihr eigenes Spin-Off?
    -Selbstfindung des Doctors: Wo komm' ich her? Wo geh ich hin? Und was will mein Unterbewusstsein mir mit ausgerechnet diesem Gesicht sagen? (Sowie die allgemeine Thematisierung von Veränderung, Entwicklung und der Bedeutung von vergangenem)
    -Clara: Endlich auch mal auf den Tisch hauen? Wurde aber auch Zeit.
    -Ein Allgemein düsterer Touch: Dark and Gritty mochte ich schon immer, und durch das simple Nicht-Auflösen der Sturz-Frage sind die Tiefen und Untiefen des neuen Doctors noch auszuloten. Hail Oncoming Characterdevelopement!
    -Bonus in Hamburg am Dammtor: 11. Doctor mit Import-Stempel. Colle Sache ;-)

    Stuff that pissed me off:
    - Backlash über den Kuss von Jenny und Vastra (People are stupid and I hate them)
    -Diskussionen über Jenny & Vastra's 'unhealthy relationship' (Seriously, just... just go to hell.).

    Bei Fragen oder Widersprüchen schreiben Sie diese auf einen kleinen Zettel, und verspeisen diesen dann im Anschluss.:3

    Kirby out!

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